Die zwischen 1899 und 1905 neu entstandenen Übertageanlagen (Kauengebäude, Turbinenhalle, Lohnhalle und Verbandhalle (Elektrowerkstatt) der Schachtanlage Bonifacius wurden von dem architektonisch interessierten Leiter der GBAG Emil Kirdorf beauftragt und nach den Plänen Rundbogenfensterdes Zechenbaumeisters Bongard errichtet. Auch wenn heute das ehemalige Werkstattgebäude fehlt, lässt sich die nach einem einheitlichen Ordnungsprinzip geplante einzigartige Anlage mit einem achsial zwischen zwei Hallen angelegten Zugang und einem Platz vor dem Sozial- und Kauengebäude (Lohnhalle), nachvollziehen.
Durch die Entstehung der großen Zechenkonzerne mit ihren Planungsbüros wurden die Zechen seit der Jahrhundertwende nach einem einheitlichen Gesamtplan errichtet. Die Zeche Bonifacius ist ein bedeutendes Dokument für diese Entwicklungstendenz. Auf die hochwertige architektonische Ausbildung der einzelnen Gebäude aus der damaligen Zeit ist hier besonders hinzuweisen.
Das Lohnhallengebäude mit dem dahinter liegenden Kauengebäude hat eine Jugendstilflieseneogotische Fassadengestaltung.
Auch die Fördermaschinenhallen sind sehenswert. Im Stil weichen sie von den anderen Bauten ab und zeigen Formen des Jugendstils und des Neobarocks.
Die ehemalige Fördermaschinenhalle Schacht 2 stammt aus den 50er Jahren und ist durch die überwiegende Verwendung von Stahlfachwerk als gestalterisches Grundelement und den Rückgriff auf klare stereometrische Baukörper, entsprechend den Gestaltungstendenzen der 20er Jahre, die typische kompromisslose Funktionsarchitektur der Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer (Zollverein Schacht XII).
Die Zeche Bonifacius ist ein Zeugnis der wirtschaftlichen Entwicklung Essens um 1900 und hat insofern Bedeutung für die Stadtgeschichte. Die Anlage bildet zusammen mit Zeche Carl und Zeche Zollverein Schacht XII eine geschichtlich geschlossene Reihe beispielhafter Zechenanlagen, anhand derer sich die Entwicklung des Bergbaus dokumentieren lässt. Wegen der architektonischen und technischen Qualität der Zeche Bonifacius sprechen künstlerische und wissenschaftliche Gründe für die Erhaltung und Nutzung.
Quellen:
Denkmalliste der Stadt Essen Denkmalkarte der Zeche Bonifacius
Kommunalverband Ruhrgebiet
Untere Denkmalbehörde der Stadt Essen
„F.Schupp, M. Kremmer Bergbauarchitektur“-Wilhelm Busch